Spukhafte Fernwirkung
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Prof. Anton Zeilinger, Direktor des Instituts für Experimentalphysik an der Universität WienWas ich so faszinierend finde ist, dass die Geschichte der Wissenschaften, insbesondere die Geschichte der Naturwissenschaften, über die Jahrhunderte bestrebt war, für alles die Ursache zu finden. Das ist ja sozusagen das Programm. Das Programm ist, für alle Ereignisse eine Erklärung eine Ursache zu finden. Ich finde das unglaublich spannend, dass in der Verfolgung dieses Programms wir plötzlich an eine Wand stoßen und sagen: Hier gibt es Dinge, die nicht mehr kausal, die nicht mehr im Detail beschreibbar sind.
Spielarten des Zufalls
Anton Zeilinger, einer der bekanntesten Physiker unserer Zeit, führt ein in die verwirrenden Gesetze der Quantenwelt. Bereits seit einigen Jahren wird der Österreicher als Nobelpreiskandidat gehandelt. Er ist Autor allgemeinverständlicher Werke, und für dieses Hörbuch nutzt er sein ungewöhnliches rhetorisches Talent. Etwa, wenn er darlegt, welche verschiedenen Spielarten des Zufalls es gibt - am Beispiel der Ziehung der Lottozahlen.
Wenn ich genau, wüsste, wie Bälle da drinnen liegen. Wenn ich genau beschreibe, wie diese Trommel gedreht wird. Wenn ich alle Eigenschaften erfassen kann, dann kann ich im Prinzip erklären, warum gerade die 42 gekommen ist nicht die 3. Auch wenn es überhaupt keine praktische Konsequenz hat, aber es ist philosophisch von enormer Bedeutung, dass es hier eine kausale Gesetzlichkeit gibt, die hier abläuft. Werner Heisenberg nannte das den "subjektiven Zufall“.
In der Welt der kleinsten Teilchen aber ist nicht der "subjektive Zufall“ das Maß aller Dinge. Vielmehr regiert der "objektive Zufall“: Es existiert hier keine tieferliegende Struktur mehr, mit der sich bestimmte Ereignisse vorhersagen ließen.
Es ist also nicht so, dass wir nicht wissen, dass dieses eine Teilchen nun gerade vom Spiegel reflektiert wird. Sondern das Teilchen weiß es auch nicht. Und wie ich immer sage: es weiß auch der Liebe Gott das nicht.
Bildunterschrift: Forscher an der Universität Innsbruck ist zum ersten Mal das Beamen mit Atomen gelungen
Quantentheorie und Teleportation
Über 100 Minuten breitet Zeilinger seine Argumente und Überlegungen aus. 100 Minuten, die nie langweilig, manchmal aber doch etwas kompliziert werden. Zeilinger erzählt von den Anfängen der Quantentheorie, von den präzisesten Experimenten der Welt und der großen Schwierigkeit ihrer philosophischen Interpretation. Und selbstverständlich geht er auch ausführlich auf die Teleportation ein, jenen Teilchen-Beam-Experimenten à la Raumschiff Enterprise, für die er berühmt geworden ist.
Ich übertrage also direkt Eigenschaften eines Systems auf ein anderes. Was die Teleportation, die Quantenteleportation nicht macht: sie überträgt keine Materie. So könnte man sagen: Nun, dann ist das jetzt keine wirkliche Teleportation, sondern so etwas wie eine Kopie. Das stimmt aber nicht. Bei einer Kopie hab ich ja noch das Original. In der Quantenteleportation muss das Original notwendigerweise seine Eigenschaften verlieren. Wenn ich mir jetzt überlege, was bedeutet es jetzt, aus welcher Materie ich bestehe, stelle ich fest, dass das eine sekundäre Frage ist. Wenn ich z.B. alle meine Atome gegen andere Atome austausche, aber sie alle so angeordnet sind, wie sie jetzt angeordnet sind, dann bin ich noch der gleiche Mensch, nicht?
Physik kann begeistern
Anton Zeilinger lädt mit diesem Hörbuch dazu ein, unmittelbar teilzuhaben an seinem Denken und seiner Begeisterung für die Schönheit der Physik. Und wem nicht alles gleich verständlich wird, der befindet sich in guter Gesellschaft: Albert Einstein konnte sich Zeit seines Lebens nicht recht mit der Quantentheorie anfreunden.
Jan Lublinski | www.dw-world.de | © Deutsche Welle.