Otherland - Fluß aus blauem Feuer

Das ultimative Netzwerk: Ja, das gibt's - zumindest in Tad Williams Vierteiler "Otherland“, dessen zweite Staffel jetzt als Hörbuch Ohren und Herzen von S.F.- und Fantasyfans erschüttert: Wir befinden uns am Ende des 21. Jahrhunderts: Nichts ist wirklich besser geworden auf der alten Erde - nur im Cyberspace entstehen immer neue gigantische virtuelle Welten. Vor allem Kids durchstreifen auf der Suche nach Liebe und Abenteuern als Simss - als virtuelle Wesen - die künstlichen Welten, viele sterben dabei an einer mysteriösen neuen Krankheit.  Die Herren dieser neuen gefährlichen Welten sind auch die Herren der richtigen Welt: Ein Haufen steinalter, steinreicher Männer, die sich so die Reiche ihrer Träume schaffen - die so genannte Gralsbruderschaft:

Verschiedene Gruppen sind in den Net-Scheinwelten unterwegs, um ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen: Manche, wie Weeny und ihre Gefährten, haben sich bewusst auf den Weg gemacht, um die Ursache der Computer-Kids-Seuche zu finden, andere, wie die Spieler Orlando und Frederiks, sind hinein gestolpert und können nicht mehr off-line gehen um zu entkommen. Hatten sie im ersten Teil die sagenhafte goldene Stadt gefunden, bewegen sie sich jetzt im zweiten Teil auf dem blauen Fluss, der die verschiedenen Welten miteinander verbindet: Insektenwelten, Cartoonwelten, Welten in denen geliebt und gequält wird, wie’s dem jeweiligen Schöpfer gerade gefällt, Welten, in denen es immer um Leben und Tod geht.

Schrille, faszinierende Cyberwelt

Die Hörspielbearbeitung der Otherland-Saga gilt als eins der aufwendigsten Audioprojekte aller Zeiten. Und wirklich ist auch der zweite Teil ein grandioses Erlebnis und ein Abenteuer für den Kopf. Wie ein Sog zieht es den Hörer ins undurchsichtige Geschehen, das abläuft wie ein Computerspiel: Man ahnt viel und weiß nichts; verschiedene Handlungsebenen sind undurchschaubar miteinander verwoben, einige Spuren verlaufen im Nichts, andere tauchen wieder auf, wenn man sie längst vergessen hat.

Alles ist schnell, hart und videoclip-ästhetisch: Drei verschiedene Tonspuren sind das Mindeste, was die Macher den Hörern aufs Ohr drücken. Das ist gewöhnungsbedürftig, vielleicht sogar manchmal etwas zu viel, aber so ist wahrscheinlich die Cyberwelt des 21. Jahrhunderts: schrill, laut, schnell und ungeheuer faszinierend.

Barbara Garde

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