| 06.10.2008 | 21:00 UTC
Finanzkrise löst weltweites Börsenbeben aus
NEW YORK/FRANKFURT AM MAIN: Die internationale Finanzkrise setzt Regierungen und Aktienmärkte immer stärker unter Druck. Trotz staatlicher Garantien zur Bewältigung der Krise gingen die Kurse an den Börsen weltweit auf Talfahrt. In New York rutschte der Leitindex Dow Jones erstmals seit 2004 unter die Marke von 10.000 Punkten. An der Deutschen Börse in Frankfurt brach der Aktienindex DAX um mehr als sieben Prozent ein. Der Schlussstand von 5.387 Punkten ist der niedrigste seit zwei Jahren. Der technologieorientierte TecDAX gab sogar um rund 11 Prozent nach. Beobachter befürchten, dass der Abwärtstrend weiter anhalten wird. - Mehrere europäische Länder folgten inzwischen dem Beispiel Deutschlands und stellten die Ersparnisse ihrer Bürger unter staatlichen Schutz. In einer gemeinsamen Erklärung versprachen die 27 EU-Länder, alles nötige zur Stabilisierung des Finanzsystems zu tun.
EU-Kommission gibt Weg für HRE-Rettung frei
BRÜSSEL: Die EU-Kommission hat den Weg frei gemacht für das 50 Milliarden Euro schwere Rettungspaket, das den deutschen Immobilienfinanzierer 'Hypo Real Estate' vor der Insolvenz bewahren soll. Das Rettungspaket sei zulässig, erklärte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in Brüssel. In der Nacht zum Montag hatten sich Bundesregierung und Finanzbranche darauf verständigt, dass die deutschen Banken und Versicherungen ihre zugesagte Kreditlinie für die 'Hypo Real Estate' von 35 auf 50 Milliarden Euro aufstocken. Der bereits vergangene Woche von Bund und Banken zur Verfügung gestellte Bürgschaftsrahmen von maximal 35 Milliarden Euro bleibt unverändert. - Als Reaktion auf die Finanzkrise arbeitet die Bundesregierung mittlerweile an einem Schutzschirm für die gesamte deutsche Bankenbranche. Einzelfalllösungen reichten zur Stabilisierung irgendwann nicht mehr aus, sagte Finanzminister Peer Steinbrück. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte an, am Dienstag im Bundestag eine Regierungserklärung zur Finanzkrise abzugeben.
BNP Paribas kontrolliert Fortis-Gruppe in Belgien und Luxemburg
PARIS: Die französische Großbank BNP Paribas übernimmt die Kontrolle über die angeschlagene Fortis-Gruppe in Belgien und Luxemburg. Wie die BNP mitteilte, zahlt sie 14,5 Milliarden Euro für die Übernahme der Mehrheit am Fortis-Bankengeschäft in beiden Ländern. Frankreichs größte Geschäftsbank erhält durch den Kauf die Kontrolle über ein Netz von 1.500 Fortis-Filialen in insgesamt sechs Ländern, darunter auch in Deutschland. In Belgien übernimmt die BNP 75 Prozent der Fortis-Anteile, in Luxemburg 67 Prozent. - In einem ersten Schritt hatten Belgien, die Niederlande und Luxemburg Fortis Ende September mit insgesamt 11,2 Milliarden Euro gestützt und dafür jeweils Anteile von 49 Prozent übernommen. Die niederländische Regierung hatte am Freitag die weitgehende Verstaatlichung der Aktivitäten von Fortis in den Niederlanden angekündigt.
Nobelpreis für deutschen Krebsforscher
STOCKHOLM: Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr zur Hälfte an den deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen sowie an die beiden französischen Pioniere der Aids-Forschung, Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier. Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit. Zur Hausen habe den Nachweis geführt, dass Papillomviren Gebärmutterhalskrebs auslösen können und damit die Grundlage für einen breit angelegten Impfstoff geschaffen. Barré-Sinoussi und Montagnier hatten Anfang der 1980er Jahre den Aids-Erreger HIV entdeckt. Diese Entdeckung habe auch die Entwicklung für moderne Aidsmedikamente ermöglicht, hieß es zur Begründung der Preisverleihung.
Sellering neuer Regierungschef in Mecklenburg-Vorpommern
SCHWERIN: Der SPD-Politiker Erwin Sellering ist neuer Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Der Landtag in Schwerin wählte den 58-jährigen SPD-Landesvorsitzenden zum Nachfolger von Harald Ringstorff. Ringstorff war am 3. Oktober aus Altergründen zurückgetreten. Sellering, bisher Sozialminister, erhielt 40 der abgegebenen 69 Stimmen und damit nicht den Rückhalt aller 45 Mitglieder der SPD/CDU-Koalition.
Krisengespräche in Bolivien gescheitert
LA PAZ: In Bolivien sind die mit großen Hoffnungen verbundenen Gespräche des linksgerichteten Präsidenten Evo Morales mit vier regierungsfeindlichen Präfekten über einen Ausweg aus der Staatskrise gescheitert. Wie der Minister für ländliche Entwicklung, Carlos Romero, nach dem zehnstündigen Treffen mitteilte, gab es auch keine Einigung auf einen neuen Gesprächstermin. Die Verhandlungen waren im September aufgenommen worden - nach mehr als drei Wochen blutiger Zusammenstöße zwischen Regierungsanhängern und Vertretern der wirtschaftlich starken Provinzen im Osten und Süden Boliviens. Morales will, dass Gebiete mit höheren Einnahmen stärker zur Unterstützung der verarmten indigenen Bevölkerungsmehrheit in ganz Bolivien beitragen. Zudem strebt er eine Verfassungsreform an.
Schwere Erdbeben in Tibet und Kirgisistan
BISCHKEK/PEKING: Bei zwei schweren Erdbeben in Tibet und Kirgisistan sind mindestens 100 Menschen ums Leben gekommen. In der chinesischen autonomen Region Tibet starben nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua mindestens 30 Menschen. Unter den Trümmern eingestürzter Häuser werde nach weiteren verschütteten Bewohnern gesucht. Das Epizentrum des Bebens soll sich 50 Kilometer westlich der Provinzhauptstadt Lhasa befunden haben. Zuvor waren im gebirgigen Süden der zentralasiatischen Republik Kirgisistan durch heftige Erdstöße mindestens 70 Dorfbewohner ums Leben gekommen. Mit weiteren Opfern in zusammengestürzten Häusern wird auch dort gerechnet.
EU-Beratungszentrum für Auswanderer im Mali eröffnet
BAMAKO: In der Hauptstadt des westafrikanischen Mali hat ein EU-Beratungszentrum für Auswanderer seine Pforten geöffnet. Ziel der Einrichtung in Bamako ist es, Auswanderungswilligen Möglichkeiten der legalen Migration nach Europa aufzuzeigen und über die Risiken illegaler Auswanderungsversuche in die Europäische Union zu informieren. EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sprach von einer Brücke, die Afrika und Europa verbinde. Das Pilotprojekt wird zunächst für vier Jahre von der Europäischen Union finanziert. Die Kosten belaufen sich auf zehn Millionen Euro. Bei dem Versuch, mit nicht hochseetauglichen Booten nach Europa zu gelangen, sterben jedes Jahr mehrere hundert Afrikaner.
US-Konzern Mars übernimmt Kaugummi-Hersteller Wrigley
HARRISBURG: Der US-Süßwarenkonzern Mars hat den Kaugummi-Hersteller Wrigley übernommen. Der Kaufpreis beträgt 23 Milliarden Dollar. Mars wird damit zum größten Süßwarenproduzenten der Welt. Die Kaugummi-Firma Wrigley befand sich seit über 100 Jahren in der Kontrolle der Gründerfamilie.
Deutscher Radprofi Schumacher unter Doping-Verdacht
ZUM SPORT: Der deutsche Radprofi Stefan Schumacher steht unter Doping-Verdacht. Nach Informationen einer französischen Sportzeitung wurde er in einer Nachprobe positiv auf die Substanz Cera getestet, eine Weiterentwicklung des Dopingmittels Epo. Schumacher hatte bei der diesjährigen Tour de France zwei Tage lang das Gelbe Trikot des Spitzenreiters getragen. In einer ersten Stellungnahme wies Schumacher alle Vorwürfe zurück. Der Chef seines Gerolsteiner-Teams, Hans-Michael Holczer, erklärte, Tourdirektor Christian Prudhomme habe ihm das Ergebnis der A-Probe bestätigt. Er habe Schumacher umgehend suspendiert und erwäge Schadensersatzforderungen.
Das Wetter in Deutschland: Im Süden und Osten trocken
DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Am Abend und in der Nacht nördlich der Mittelgebirge und Richtung Alpen aufgelockert und meist trocken. Sonst wolkenreich und gelegentlich Regen. Tiefstwerte zehn bis zwei Grad, örtlich Bodenfrost.
DIE VORHERSAGE FÜR DIENSTAG: Nach Nebelauflösung vor allem im Westen und in den östlichen Mittelgebirgen zeitweise Regen. Im Süden und in Vorpommern längere Auflockerungen und meist trocken. Höchstwerte 15 bis 21 Grad.