Quadriga
Der internationale Talk
Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Zeitenwende - verändert die Finanzkrise die Welt?
Dramatische Kursstürze, pessimistische Aussichten: an den Börsenplätzen dieser Welt herrscht Panik. Selbst hartgesottene Börsenoptimisten fürchten, daß es noch weiter abwärts gehen könnte. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Obama vergleicht die Finanzkrise mit der Depression in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Es droht eine weltweite Rezession.
In den USA, dem Mutterland des Kapitalismus, versucht die Regierung mit gigantischen Finanzspritzen den maroden Finanzsektor zu stabilisieren. Der Staat greift in bisher nie da gewesener Weise in den privaten Sektor ein, um noch größeren Schaden zu verhindern. Auch in Deutschland und anderen EU-Ländern müssen die Steuerzahler Banken und Versicherungen vor der Insolvenz bewahren. Regierungen geben Staatsgarantien für die Guthaben der Sparer ab, damit diese nicht die Banken stürmen.
Die Katastrophe auf den Finanzmärkten kommt nicht unerwartet, sie hat sich seit geraumer Zeit abgezeichnet. Doch Politik und Märkte haben die Warnsignale allzu lange ignoriert. Warnungen, vor allem aus Europa, man müsse dem ungezügelten Finanzsektor Zügel anlegen, verhallten ungehört. Jetzt, da die Finanzkrise offenbar auch die Realwirtschaft erreicht, da der Internationale Währungsfonds den Schaden auf mehr als eine Billion Euro beziffert, da das Vertrauen der Banken untereinander futsch ist, vertrauen selbst die hartnäckigsten Marktliberalen offenbar nur noch einem – dem Staat.
„So eine ernste Lage hatten wir noch nie“, sagte Kanzlerin Merkel in ihrer Regierungserklärung zur Finanzkrise und fordert klare Regeln und mehr Transparenz bei Geldgeschäften. Viel deutet darauf hin, dass das freie Spiel der Märkte und das Rennen um Rendite für längere Zeit ziemlich unpopulär sein dürfte, dass neoliberale Ansichten wenig Chancen auf Gehör finden. Noch kann niemand seriös abschätzen, wie heftig die Krise sich auf das Wirtschaftswachstum von Staaten auswirkt, ob die Krise zu einem signifikanten Anstieg der Arbeitslosenzahlen führt. Und auch nicht, wie nachhaltig die Krise das Vertrauen in unsere Wirtschaftsordnung erschüttert.
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