Quadriga
Der internationale Talk
Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Niedergang oder Neuanfang - wohin steuern die Sozialdemokraten?
Eine Klausurtagung sollte es werden. Über politische Inhalte wollte man reden. Was aber dann am vergangenen Wochenende geschah, glich einem mittleren Erdbeben. Die SPD hatte plötzlich einen Kanzlerkandidaten Steinmeier, dafür kam ihr Parteichef Beck abhanden. Und das alles ein Jahr vor den Bundestagswahlen.
Kurt Beck ist bereits der vierte SPD-Vorsitzende, den die Sozialdemokraten in den vergangenen fünf Jahren verschlissen haben. Links oder rechts – der Richtungsstreit in der SPD ist der Kern allen Übels. Ob die Lager nun "Modernisierer" oder "Traditionalisten" heißen, wie in den neunziger Jahren oder Befürworter oder Gegner der Reformagenda 2010 der Regierung Schröder. Dieser Streit um den richtigen Weg kostet die Partei Ansehen und Wählerstimmen. Die Sozialdemokraten sind schon lange keine Volkspartei mehr.
Der Niedergang der sozialdemokratischen Parteien lässt sich allerdings fast überall in Europa beobachten. Er ist beileibe kein rein deutsches Phänomen. Offensichtlich gelingt es diesen Parteien nicht mehr, den Wählern glaubhaft zu vermitteln, dass sie es sind, die wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit verbinden. Das ist sicherlich auch eine Folge der Globalisierung. Rein nationale Konzepte greifen nicht mehr, wenn Waren in Asien und Osteuropa für einen Bruchteil der Löhne produziert werden wie hierzulande. Gleichzeitig die Schere zwischen arm und reich sich immer weiter öffnet.
Für den Vertrauensschwund in Deutschland ist die SPD aber auch selbst verantwortlich. Sie hat sich zu lange einseitig auf den Ausbau des Sozialstaats kapriziert und ihre Wurzeln als Arbeiterpartei vernachlässigt.
Mit Blick auf die Bundestagswahl 2009 muss die SPD nicht nur die Flügelkämpfe einstellen, sie muss auch Antworten geben auf zentrale Fragen in der Wirtschaft-, Finanz- und Sozialpolitik. Mit einem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und einem neuen alten Partei-Vorsitzenden Franz Müntefering ist eine gemäßigt-konservative Linie schon vorgegeben.
Was meinen Sie:
"Niedergang oder Neuanfang – Wohin steuert die SPD "
Schreiben Sie uns an: Quadriga@dw-world.de
Unsere Gäste waren:
Hans Monath - In Südafrika geboren kommt er als Student nach Deutschland. An der Universität Freiburg studiert er Neuere Geschichte und Philosophie. Seine journalistische Laufbahn führt ihn nach Berlin. Dort arbeitet er zunächst als Parlamentskorrespondent für "die tageszeitung" und wechselt dann als Ressortleiter Politik zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt". Heute ist er als Korrespondent im Parlamentsbüro des "Tagesspiegels" in Berlin tätig.
Anthony Paterson – In den Anfängen seiner journalistischen Karriere arbeitete Anthony Paterson in London, um dann recht schnell als außenpolitischer Korrespondent aus den europäischen Metropolen zu berichten. Paris, Bonn, Warschau und Wien waren seine Stationen, bevor er sich in Berlin nieder ließ. Tony Paterson erlebte als Reporter für die amerikanische Nachrichten Agentur UPI den Aufstieg und Fall der Solidarnosc-Bewegung in Polen. Für die BBC berichtete er über den Fall der Mauer. Heute ist er Korrespondent für die Tageszeitung The Independent und den Sunday Telegraph.
Katharina Kroll – Die studierte Volkswirtin hat ihre journalistische Ausbildung an der Kölner Journalistenschule erhalten. Katharina Kroll arbeitete zunächst für verschiedene Print- und Hörfunkmedien, bevor sie 1998 beim Fernsehen als Parlamentskorrespondentin von DW TV in Bonn begann. Von 2005-2007 berichtete sie zweieinhalb Jahre aus Brüssel nicht nur über die Nato- und EU-Politik, sondern auch aus den Ländern der Europäischen Union. Zurück im Berliner Hauptstadtstudio von DW-TV arbeitet Katharina Kroll derzeit als CvD und Korrespondentin zu allen aktuellen politischen Themen.






