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Buch | 11.12.2002

Ehrung für ein Überlebenswerk

"Meine einzige Identität ist die des Schreibens", so der Schriftsteller Imre Kertész über sich selbst. Für sein Werk erhielt der Ungare den Nobelpreis für Literatur.

Als erster Ungar hat der Schriftsteller Imre Kertész am Dienstag (10.12.02) in Stockholm den Nobelpreis für Literatur in Empfang genommen. Der zurzeit in Berlin an einem neuen Roman arbeitende Schriftsteller erhielt seinen Preis aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf zusammen mit den Preisträgern für Medizin, Chemie,Physik und Wirtschaft.

Imre Kertesz und Carl Gustaf of Sweden bei der Nobelpreisverleihung Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Imre Kertesz und Carl Gustaf of Sweden bei der Nobelpreisverleihung Der 73-jährige werde für ein schriftstellerisches Werk geehrt, das "die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet", heißt es in der Begründung. Der Leser werde von Kertész nicht nur mit der Grausamkeit von Willkürakten konfrontiert, sondern ebenso sehr mit dem Ausmaß an Gedankenlosigkeit, die ihre Durchführung kennzeichne.

Broterwerb durch Musicals

Imre Kertész wurde am 9. November 1929 in Budapest als Kind einer Familie jüdischen Glaubens geboren. Er wurde 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. 1948 machte er die Reifeprüfung und begann eine journalistische Tätigkeit bei der Tageszeitung "Világosság".

Die wurde jedoch bald zum Parteiorgan der Kommunisten. Nach der Entlassung im Jahre 1951 leistete er den zweijährigen Militärdienst ab. Seit 1953 ist Kertész als freier Schriftsteller berufstätig. Den Broterwerb sicherte er sich zunächst durch Musicals und unterhaltsame Theaterstücke.

"Trilogie der Schicksallosigkeit"

Kertesz, Imre: Roman eines SchicksallosenBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Kertesz, Imre: Roman eines Schicksallosen"Sein Werk kehrt unablässig zu dem entscheidenden Ereignis in seinem Leben zurück, dem Aufenthalt in Auschwitz", schreibt die schwedische Akademie über Kerteszs Literatur. Sein erster Roman "Sorstalansag" erschien 1975 und wurde 1990 unter dem Titel "Mensch ohne Schicksal" in deutscher Sprache veröffentlicht (Neuübersetzung 1996 unter dem Titel "Roman eines Schicksallosen"). Er handelt von dem 15-jährigen Jungen Köves, der zunächst in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, dann nach Buchenwald und Zeitz verschleppt wird, sich aber anpasst und überlebt.

Dabei beschreibt Köves die Ereignisse wie ein Kind, das die Lagerwirklichkeit als selbstverständlich akzeptiert. Die Fachwelt hält den Roman für eines der wichtigsten Werke der europäischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Der Autor versteht den "Roman eines Schicksallosen" zusammen mit den Bänden "Fiasko" (1988; dt. 1999) und "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" (dt. 1992) als "Trilogie der Schicksallosigkeit".

Anerkennung und finanzielle Sicherheit

1992 folgt das "Galeerentagebuch" (dt. 1993), das Aufzeichnungen aus drei Jahrzehnten, von 1961 bis 1991, umfasst. In dieser "Galeerenarbeit der Selbstdokumentation", wie Kertész das Werk nennt, dokumentiert er die Grenzen der individuellen Freiheit und die verlorenen Entfaltungsmöglichkeiten in einer totalitären Welt. "Meine einzige Identität ist die des Schreibens" bekennt der Autor in "Ich - ein anderer" (1998), eine Art Fortsetzungsband zum "Galeerentagebuch".

"Das ist eine große Anerkennung für mich und bedeutet vielleicht auch, dass ich jetzt ein etwas ruhigeres Leben führen kann, jedenfalls finanziell, ich bin jetzt in Sicherheit, jedenfalls in dieser Hinsicht", kommentierte der Ungar die gute Nachricht aus Stockholm im Oktober diesen Jahres. Nicht ohne Grund: Die Nobelpreise sind in diesem Jahr jeweils mit 10 Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.

 

am / pt

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