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Made in Germany (deutsch)

Studiogast - Michael Heise, Chefvolkswirt Allianz-Gruppe

Mit unserem Studiogast Michael Heise sprachen wir über die globale Finanzkrise und den Einbruch an den internationalen Aktienmärkten.

DW-TV: Herr Heise, schlafen Sie im Moment noch gut, mit Blick auf die Börse - Allianz hat ja auch verloren?

Michael Heise: Bisschen unruhig ist der Schlaf schon, aber die Tage sind sehr hektisch und da kommt dann die Müdigkeit automatisch.

DW-TV: Wenn wir uns einmal die aktuellen Ereignisse anschauen: Lehman Brothers ist insolvent, das heißt, sie sind pleite - da ist nichts mehr. Und bisher sind Regierungen eingesprungen, wenn so große Finanzunternehmen vor dem Aus standen, mit der Begründung, man muss den weltweiten Finanzkollaps vermeiden. Jetzt springt keine Regierung mehr ein - Warum nicht, was passiert da gerade?

Michael Heise: Mit der Insolvenz von Lehman hat die Krise natürlich besonders große Ausmaße erreicht. Die Tatsache, dass die Regierung nicht einspringt hängt wohl damit zusammen, dass sie sieht, dass die Kapazität im Bankensektor generell zurückgefahren werden muss, dass hier Übertreibungen stattgefunden haben in den letzten Jahren, Bilanzsummen ins Unermessliche gewachsen sind, Kredite ins Unermessliche gewachsen sind, dass dieses zurückgestutzt werden muss. Und deswegen lässt man Lehman Brothers aus dem Markt gehen - man könnte aber verhindern, dass das sozusagen Rückwirkung auf andere Institute hat.

DW-TV: Das heißt, war die Gier zu groß, oder, mal ganz platt - ist das jetzt die Strafe dafür, für das was man angerichtet hat?

Michael Heise: Die Ursachen dieser Krise sind sehr komplex und da sind verschiedene Akteure angesprochen. Auf verschiedenen Seiten war die Gier zu groß, bei Investoren war sie zu groß, die diese Finanzprodukte gekauft haben, bei vielen Investmentbanken war die Gier groß. Dabei spielte aber auch eine Rolle, dass die Zinsen so sehr niedrig waren, durch die Notenbank gesetzt niedrig waren, sodass man eigentlich nur durch solche Strukturierungen Geld verdienen konnte. Also, sicherlich zahlt man jetzt die Zeche für starke Übertreibungen.

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  

DW-TV: Was erwartet uns denn hier in Europa, also wenn wir den Blick mal hier auf den, sagen wir mal "kleineren" Markt richten - müssen wir uns jetzt Sorgen machen?

Michael Heise: Also natürlich ist Europa nicht immun gegenüber solchen Schocks und solchen Erdbeben, die weltweit stattfinden. Aber, wir in Europa haben ein ziemlich solides Bankensystem. Die Banken, insbesondere auch in Deutschland, sind stark im traditionellen Bankgeschäft und ihre Refinanzierung ist stabil. Sie haben viele Einlagen, Kundeneinlagen und langfristige Kapitalmarkt-Schuldverschreibungen, über die sie sich refinanzieren, und insofern müssen wir nicht solche Schockwellen wie in den USA befürchten. Die Situation ist auch im Kreditmarkt stabil, die Kredite sind angestiegen in den letzten Monaten, sodass keine großen Finanzierungsengpässe für die Unternehmen drohen.

DW-TV: Es gibt Analysten, die sagen, nach diesem Crash wird der Finanzmarkt nicht mehr derselbe sein - würden Sie dem zustimmen?

Michael Heise: Ich würde dem zustimmen. Es wird einen gravierenden Wandel geben und er wird sehr nachhaltig und sehr langandauernd sein. Insbesondere im Investmentbanking haben verschiedene Geschäftsmodelle nicht funktioniert und man wird sich ganz neu aufstellen müssen.

 

Interview: Anja Heyde

 
 
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