Made in Germany (deutsch)
Unser Studiogast – Bernhard Jünemann, Finanzmarktexperte
Bernhard Jünemann ist stellvertretender Chefredakteur von Börse Online. Er spricht mit MADE IN GERMANY zum Thema Zeitarbeit.
DW-TV: Sind Mietmanager bzw. Interim-Manager eigentlich noch Zeitarbeiter im herkömmlichen Sinne?
Bernhard Jünemann: Sie sind zweifellos Zeitarbeiter, sie sind Spezialisten und in der Regel sind sie auch selbständig. Damit unterscheiden sie sich aber klar von den typischen Zeitarbeitern. Die sind in der Regel bei einem Zeitarbeitsunternehmen, bei einer Agentur angestellt und werden dann an die Unternehmen für eine bestimmte Zeit ausgeliehen.
DW-TV: Das heißt, hier gibt es eine ganz neue Qualität von Zeitarbeit?
Bernhard Jünemann: Es ist ein Trend, sich den Spezialisten heranzuholen, auch für so schwierige Aufgaben im Management, in dem er auch Verantwortung übernehmen muss. Das ist eigentlich eine etwas neuere Entwicklung. Aber der Trend zur Zeitarbeit ist generell da, um eben erhöhte Flexibilität zu gewährleisten.
DW-TV: Der Trend zur Zeitarbeit ist steil auf dem Weg nach oben. Zeitarbeiter sind gefragt. Im Zeitraum 2003 bis 2007 hat sich die Zahl der Zeitarbeiter mehr als verdoppelt. Liegt das eigentlich nur daran, dass die Unternehmen mit Zeitarbeitern sehr viel Geld sparen können?
Bernhard Jünemann: Nein, ich habe ja den Begriff "Flexibilität" schon eingeführt. Die Globalisierung, die Veränderung von Märkten, das geht immer sehr viel schneller als man denkt. Das erfordert auch, dass Unternehmen sich schneller anpassen und das können sie mit Zeitarbeit schneller bewerkstelligen. Der Kostenaspekt spielt natürlich eine Rolle. Wenn man jemanden nur für acht Monate braucht, dann muss man ihn auch nur für acht Monate bezahlen. Aber das ist nicht der entscheidende, der alleinige Aspekt.
DW-TV: Hat man denn da eine Art Patentrezept gefunden gegen Arbeitslosigkeit? Der Markt wird damit natürlich schon sehr viel offener.
Bernhard Jünemann: Patentrezept ist ein großes Wort. Es hilft auf jeden Fall Arbeitslosigkeit abzubauen, was wir ja auch in den vergangenen Jahren gesehen haben. Denn ein Zeitarbeiter wird oft übernommen. Circa 10 % der Zeitarbeiter werden später in eine feste Beschäftigung übernommen. Ungefähr 60 % der Zeitarbeiter war vorher arbeitslos und die können sich dann auch besser wieder in das Arbeitsleben hineinfügen - unter Bedingungen, die dann vielleicht auch zu einer festen Beschäftigung führen.
DW-TV: Nun nehmen wir mal an, man wird dann fest beschäftigt. Da stellt sich natürlich die Frage, zu welchem Preis. Denn "Lohndumping", das ist ein Vorwurf, der Zeitarbeitsfirmen immer noch gemacht wird.
Bernhard Jünemann: Das mag es in Einzelfällen noch geben, aber die meisten Zeitarbeitsunternehmen haben Tarifverträge. Ich denke, die Gewerkschaften werden schon darauf schauen, dass da kein Lohndumping betrieben wird.
(Interview: Anja Heyde)









