1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose form 30 Languages

 
 
 

 

Top-Thema | 22.08.2008

Untergrundkirchen in China

Das Verhältnis zwischen Staat und Religion in China ist schwierig. Zwar gibt es staatlich anerkannte Kirchen, doch ein Großteil chinesischer Christen gehört illegalen "Familienkirchen" an.

Der Gottesdienst beginnt mit elektrischen Gitarren und Trommeln. Eine junge Frau geht aufs Podium und erzählt von ihren Erfahrungen als Helferin in den Erdbebenregionen. Die Frau ist Mitglied in einer illegalen Familienkirche im Norden der chinesischen Hauptstadt Peking. Vor knapp zwei Jahren haben Protestanten die Kirche gegründet. Heute hat sie etwa 500 Mitglieder.

 

In der chinesischen Verfassung ist das Recht auf Religionsfreiheit festgeschrieben, in der Praxis aber sind nur die staatlich kontrollierten Kirchen erlaubt. Die "katholische patriotische Vereinigung" zum Beispiel ist von Rom unabhängig; ihre Priester und Bischöfe werden vom Staat ernannt und auch bezahlt. Viele Christen fühlen sich dadurch in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt und gründen so genannte Familienkirchen. Die werden von der Regierung zwar meist geduldet, dennoch werden immer wieder Priester dieser Kirchen verhaftet.

 

Der Rechtsanwalt Zhang Kai gehört ebenfalls einer Familienkirche an. Er betont, dass der Kern der Glaubensfreiheit in der Trennung von Kirche und Staat liegt. Die Regierung, so Zhang Kai, darf sich nicht in kirchliche Angelegenheiten einmischen. "Sie hat auch kein Recht zu beurteilen, welche Religion gut und welche schlecht ist", sagt der Anwalt.

 

Mittlerweile fordert die Polizei, dass sich alle Gläubigen beim Betreten der Kirche mit ihren persönlichen Daten anmelden. Aber auch dadurch ließen sich die Gläubigen bisher nicht vom Gottesdienst abschrecken. Im Gegenteil: Die Zahl der Kirchenmitglieder nimmt zu.

 

 

Glossar

 

Untergrundkirche, die – eine Kirche, die offiziell nicht erlaubt ist und deren Mitglieder sich geheim oder privat treffen

 

etwas angehören (Dativ) – Mitglied bei etwas sein

 

illegal – gegen das Gesetz; verboten

 

Trommel, die – hier: ein hohles Musikinstrument, auf das man schlägt

 

Podium, das – eine erhöhte Fläche, auf der zum Beispiel Redner stehen

 

Erdbebenregion – ein Gebiet, in dem sich die Erde stark bewegte und dadurch vieles zerstört wurde

 

etwas ist festgeschrieben – hier: ein Recht ist in die Verfassung geschrieben worden, um es offiziell gültig zu machen

 

Rom – hier: die offizielle römisch-katholische Kirche, der Papst

 

Bischof, der ein hoher Priester in der katholischen Kirche

 

jemanden ernennen – jemandem ein Amt; einen Posten geben

 

jemanden (in etwas) einschränken – dafür sorgen, dass jemand weniger tun kann, als er will

 

etwas dulden – hier: etwas tolerieren, obwohl man damit nicht einverstanden ist

 

Kern, der – hier: der wichtigste Punkt; der wesentliche Teil von etwas

 

sich in etwas einmischen – etwas in einer Situation machen, die einen nicht direkt betrifft

 

etwas beurteilen – sich über etwas eine Meinung bilden; etwas bewerten

 

jemanden (von etwas) abschrecken – hier: jemanden durch Drohen dazu bringen, etwas nicht zu tun

 

mittlerweile – inzwischen

 

 

Fragen zum Text

 

1. In China werden so genannte Familienkirchen gegründet, weil viele Christen finden, dass …

a) die Trennung von Kirche und Staat nicht wichtig ist.

b) sich die Regierung in kirchliche Angelegenheiten einmischen soll.

c) in den legalen Kirchen ihre Religionsfreiheit eingeschränkt wird.

 

2. Eine legale katholische Kirche in China …

a) wird vom Staat kontrolliert.

b) ist vollkommen unabhängig.

c) wird vom Papst kontrolliert.

 

3. Bestimmen Sie die Verbform in folgendem Satz: "In der chinesischen Verfassung ist die Religionsfreiheit festgeschrieben"!

a) Konjunktiv

b) Aktiv

c) Passiv

 

4. "Die Bischöfe werden vom Staat ernannt." Wie lautet dieser Satz im Aktiv?

a) Der Staat ernennt die Bischöfe.

b) Der Staat ernannte die Bischöfe.

c) Die Bischöfe ernennen den Staat.

 

5. Ergänzen Sie: Wären Staat und Kirche getrennt, … sich auch die Kirche nicht in staatliche Angelegenheiten einmischen.

a) darf

b) dürfte

c) durfte

 

 

Arbeitsauftrag

Diskutieren Sie: Wie groß sollte der Einfluss des Staates auf die Kirchen sein – und umgekehrt?

 
 
Artikel bookmarken

FeedbackVersendenDrucken

Weitere Schlagzeilen



 
Bilder des Tages
ImageOfTheDay

DW-TV EUROPA live

Journal (deutsch) - Mit Tagesthema