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GLOBAL 3000

Indonesiens Dynamitfischerei – verboten und doch verbreitet

Ein Fünftel der weltweiten Korallenbänke liegen in indonesischen Gewässern. Das sogenannte Korallen-Dreieck zwischen Malaysia, den Philippinen und den Solomon Inseln ist Lebensraum für 6000 verschiedene Arten von Fischen und Wassersäugetieren und 600 verschiedene Korallenarten. Deren Bedrohung hat Konsequenzen für die weltweite Meeresfauna.

Dynamitfischerei ist inzwischen in ganz Indonesien illegal, praktiziert wird sie trotzdem. Die Methode ist schnell, der Fang noch ergiebiger. Eine Sprengstoffexplosion unter Wasser und man muss den Fisch nur noch einsammeln. Übrig bleiben bleiche, zerfetzte Korallenskelette – es dauert Jahrzehnte bis sie sich erholen. Meeresbiologen untersuchen nun im Auftrag der indonesischen Regierung den Zustand der Korallenbänke. Eine beunruhigende Bestandsaufnahme.

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Diese Korallen sind noch einmal davongekommen. El Nino, das Wetterphänomen, heizte vor zehn Jahren Indonesiens Gewässer auf; Korallenbänke starben massenhaft. Diese haben sich wieder erholt. Doch viele andere sind in höchster Gefahr: Durch Bomben.

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Wir sind unterwegs in den Osten Indonesiens, zum Komodo Nationalpark, dem Tauchparadies. Die Gewässer bei der Insel Komodo stehen unter Naturschutz. Der Korallenbänke wegen. Doktor Sangeeta Manghubhai – sie stammt von den Fiji-Inseln- ist Meeresbiologin. Im Auftrag von Indonesiens Regierung untersucht sie den Zustand der Korallen hier. Diskussion mit ihren Tauchpartnern an Bord.

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Sangeeta Mangubhai, Conservation Officer des Komodo Nationalparks, berichtet, 32 Prozent von Indonesiens Korallenbänken seien in sehr schlechtem Zustand. Aber nur zehn Prozent sind wirklich gesund. Es wird geschätzt, dass 85 Prozent aller Korallen des Landes gefährdet sind. Ein Fünftel aller Korallenbänke der Welt liegen in Indonesischen Gewässern. Deren Bedrohung, hat daher Konsequenzen für die Meeresfauna der ganzen Erde. Seit über zehn Jahren gelten diese Gewässer als geschützt. Aber bis dahin wurde auch hier gnadenlos gefischt: Mit Dynamit.

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Die Folgen davon sind unübersehbar: Ruinierte Korallenbänke. Bei ihren Tauchgängen sucht Sangeeta Manghubhai auch nach Spuren neuer Dynamit Attacken. Trotz Überwachung durch Parkranger kommen immer wieder Fischer mit Bomben in den Park. Dr. Manghubhai’s Arbeit wird von Amerikanischen Naturschützern finanziert. Sangeeta Mangubhai: Viele alte Korallentrümmer dort unten, sagt sie. Das Riff wurde vor 20 oder 30 Jahren gesprengt. Aber, sagt sie optimistisch, kleine Riffteile haben überlebt, weiter hinten wachsen sogar neue heran, die Korallen beginnen, sich zu erholen.

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Indonesische Dynamitfischer beim Bombenbau. Mit Zuendholz-Schwefel und anderen frei verkäuflichen Substanzen füllen die Männer eine Zündkapsel. Als Sprengstoff dient ein Düngemittel, abgefüllt in Bierflaschen. Indonesiens Inselwelt, nahezu unweltlich schön, ist viel zu unübersehbar, als dass die Behörden sie wirksam kontrollieren könnten. Erst recht außerhalb von Nationalparks wie hier. Das Fischen mit Dynamit ist überall illegal. Aber es geschieht noch immer. Vier Tage und Nächte dauert unsere Fahrt, von Bali nach Komodo. Und überall unterwegs finden wir zerstörte und bedrohte Korallenriffe.

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Im Norden der Insel Lombok liegen die Gili-Inseln. Beliebt vor allem bei Rucksacktouristen für Tauch – und Schnorcheltouren. Aber die Backpacker bringen nicht genug Geld auf die Insel, die Menschen hier leben weiter von Küstenfischerei. Die Folgen: Ruinierte Korallenbänke. Johannes und Charita, unsere beiden Taucher an Bord, gehen für uns mit der Kamera unter Wasser. Sie bringen traurige Bilder mit.

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Dieser Korallenfriedhof ist die Konsequenz wirtschaftlicher Zwänge. Der Erhalt von Naturschönheiten zahlt sich nur dann finanziell aus, wenn das Touristen anlockt. Aber in Indonesien gibt es, von Bali abgesehen, keinen lukrativen Massentourismus. Johannes Saulu, ein Tauchlehrer, erzählt uns, dass Fischer das Riff hier mit Dynamit beworfen haben, um Fisch damit zu fangen, sagt er. Die Regierung schützt jetzt, aber wohl zu spät.

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Indonesiens Fernsehen preist die Naturschönheiten und prangert in Reportagen das Fischen mit Dynamit als verwerflich an. Die Explosionen lassen die Schwimmblase der Fische platzen, danach muss man nur noch einsammeln. Eine hoch effiziente Methode. Darum helfen Appelle wenig, im armen Indonesien. Die Menschen auf den Inseln brauchen den Fisch zum überleben. Reiche Länder können sich Naturschutz relativ leicht leisten. Hier ist das anders. Es geht um Geld, sagt Sangeeta Mangubhai, Meeresbiologin. Wenn Naturschutz nicht viel Touristen ins Land bringt, kostet er einfach nur Geld. Die Fischer müssten Alternativen haben, für ihr Einkommen. Und, sagt sie, es gibt vielfach keine Internationalen Geldgeber für Naturschutz.

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"Crystal Rock" heißt das Riff an der Nordspitze von Komodo. Hier liegen fast immer einige Boote mit Tauchtouristen an Bord. Aber es sind wenige und die Fischer von Komodo profitieren kaum von den Touristendollars. Die Korallen hier sind relativ gesund, registriert Sangeeta Mangubhai. Aber erst wenige Korallenbänke Indonesiens werden wirksam geschützt. Anders als in Australien: Dessen Great Barrier Reef lockt Millionen von Touristen an. Die bringen mehr Geld ins Land als die Fischerei. Darum schützt und pflegt Australien seine Korallen. Dieser wirtschaftliche Anreiz fehlt hier.

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In Indonesien stehen acht Millionen Hektar Meeresgebiet unter Naturschutz. Wieviel Prozent aller Korallen sind damit geschützt ? Acht bis neun Prozent. Nicht viel ? Ein guter Anfang, sagt Sangeeta Mangubhai, Conservation Officer des Komodo Nationalparks. Merkwürdige Ironie: Indonesiens ferne Inselwelt ist noch vom Massentourismus weitgehend verschont. Aber genau darum ist Naturschutz hier so schwierig.

 

 
 
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