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Buchtipp

Renate Niemann: Der Graumacher

Kriminalromane, in denen die Untiefen deutscher Vergangenheit ausgelotet werden, sind in Mode. Renate Niemanns Debüt ist eine originelle Variante.

Renate Niemann, Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, hat das Prinzip der kriminalistischen Vergangenheitsvergegenwärtigung für ihren Debütkriminalroman nach Oldenburg verlegt, wo eine junge Frau im wahrsten Sinne des Wortes über die in Stein gemeißelten Zeichen des Gestern stolpert:

Rita Toski, Volontärin bei der örtlichen Regionalzeitung, gerät auf dem Weg zur Arbeit bei einem verlassenen Haus in der Oldenburger Grafenstraße ins Straucheln, verliert ihre Handtasche – und muss den Verlust eines Lippenstiftes beklagen, der in einem Fensterschacht des Hauses verschwunden ist.

Geheimnisvolle Inschrift

Rita ist neugierig und hartnäckig und sie meint am Rande des Schachtes eine Schrift zu erkennen, also verschafft sie sich wenig später Zugang zu dem entsprechenden Kellerzimmer – und entdeckt zu ihrer Überraschung, zu ihrem Entsetzen eine in den Stein geritzte Inschrift: "Hilfe! Mariana Reinhard".

Wer ritzt einen solchen Text – in Stein, vermutlich über Monate? Rita fängt Feuer, sie will wissen, was es mit dieser Mariana Reinhard und ihrer Inschrift auf sich hat, und sie bezieht ihre beiden Mit-Volontäre in die Recherchen ein.

So kommt es, dass eine arrogante Adelstochter, ein verklemmter Aktenwühler und eben die taffe Heldin des Buches auf eine ausgesprochen grausige Geschichte stoßen, die der kleinen Mariana, die von ihrem irren Psychiater zur Kriegs- und Nachkriegszeit jahrelang in dem kalten Kellerverlies fest gekettet wurde. Da ist – man denke an die Wegsperr-Mißbrauchsfälle in Österreich – das Vergangene plötzlich ausgesprochen gegenwärtig.

Unkonventioneller Genremix

Renate Niemann



Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Renate Niemann Aber damit ist es noch nicht genug. Was die drei Hobbyermittler nämlich nicht wissen können: Noch immer ist ein unheimliches Wesen in dem mysteriösen Haus aktiv. Ein Wesen, das schwarzhaarige Frauen unter 30 tötet. Und Rita Toski ist genau sein Typ…

Alles gewagt – und fast alles gewonnen: Renate Niemann hatte den Mut, ihren Debütkriminalroman nicht nur in der Vergangenheit tümeln zu lassen, sondern ihn mit Hilfe eines unkonventionellen Genremixes zu erzählen: Hier Elemente der Gothic Novel, da Anteile des Serienkillerromans, dort Charakteristika des lichten Frauenunterhaltungsromans.

Das Ergebnis, so erstaunlich es wirken mag, funktioniert, denn "Der Graumacher" erzählt eine wirklich grausige, exotische, aber bei allem Horror doch plausible Geschichte.

Ein beeindruckendes Debüt.

 

Ulrich Noller

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Renate Niemann: Der Graumacher
  2. Verlag: Pendragon, 2008
  3. ISBN: 978-3865320810
  4. Preis (EURO): 9.90


 
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