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Kolumbien | 03.07.2008

Stichwort: FARC

Sie gilt nach wie vor als größte Rebellengruppe Lateinamerikas: die kolumbianische FARC. Und das trotz des Todes ihres Anführers und trotz der filmreifen Befreiung ihrer prominentesten Geisel: Ingrid Betancourt.

Die "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens", die FARC, wurden 1964 von Manuel Marulanda Vélez gegründet, einem Bauernführer alias Tirofijo, was soviel wie "Sicherer Schuss“ heißt. Sie bezeichnet sich selbst als marxistische Guerillabewegung, deren urspünglicher Kampf den Landreformen in Kolumbien galt: Noch heute kontrollieren nach Angaben von Menschenrechtlern in Kolumbien 0,4 Prozent der Bevölkerung 61 Prozent des Agrarlandes.

Politik der harten Hand

Ihren Kampf führte die FARC jedoch zunehmend mit terroristischen Mitteln gegen staatliche und nichtstaatliche Akteure. Und als Kolumbien in den 1980er Jahren zu einem der größten Kokainproduzenten weltweit wurde, wuchsen auch die Verflechtungen zwischen FARC und Drogenhandel: In einigen Gebieten des Landes übernahm die FARC quasi staatliche Funktionen, etwa durch Erhebung von Steuern und indem sie Sicherheitsdienste und Infrastruktur für die Drogenhändler bereitstellte. So wurden Drogenhandel und Entführungen zu ihrer wichtigsten Einnahmequelle.

Mit zeitweise bis zu 20.000 Mitgliedern war und ist die FARC die größte Rebellenorganisation Lateinamerikas. Nach zahlreichen gescheiterten Dialogversuchen verfolgt allerdings der seit 2002 amtierende kolumbianische Präsident Álvaro Uribe jetzt eine Politik der harten Hand: Die Aussicht auf Friedensverhandlungen hat er stets an die Freilassung von Geiseln geknüpft, auch ein militärisches Vorgehen schloss er nie aus.

Geschwächt - aber immer noch stark

Mittlerweile gilt die FARC als geschwächt: Dieses Jahr wurden bereits zwei Mitglieder des Führungsgremiums getötet. In den vergangenen Monaten hatten sich wiederholt FARC-Kämpfer von der Rebellenorganisation losgesagt und die kolumbianische Armee offenbar mit Informationen versorgt. Die Zahl der Bewaffneten soll nach Regierungsangaben bereits auf 8000 gesunken sein. Zudem war im Mai ihr Anführers Marulanda gestorben - allerdings eines natürlichen Todes.

Auch nach der Freilassung von Ingrid Betancourt bleibt den Rebellen ein wichtiges Druckmittel: Die FARC halten noch zwischen 700 und 1000 Geiseln gefangen. Kolumbien ist das Land mit den weltweit meisten Entführungen. Rund 60.000 Menschen wurden durch den Konflikt in Kolumbien bislang getötet. Zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Kolumbianer wurden aus ihren Heimatregionen vertrieben. Sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union steht die FARC auf der Liste terroristischer Organisationen.

 

Ina Rottscheidt

 
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