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Buchtipp

Michael Kumpfmüller: Nachricht an alle

Michael Kumpfmüller bringt die Politik zurück in die deutsche Literatur. Ein Roman über die monströsen Mechanismen innerer Sicherheit, der mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet wurde.

Am Beginn von Michael Kumpfmüllers Roman erreicht den Innenminister Selden in Nordamerika eine Nachricht, die ihn beunruhigt. Seine Tochter schickt ihm eine SMS, in der sie ihm mitteilt, dass sie abstürzt. Selden weiß zunächst nicht, was er davon halten soll.  Doch dann stellt sich heraus, dass seine Tochter bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen ist.

Der Politiker erfährt in dem Moment von ihrem Tod, als sich eine Krise in seinem Verantwortungsbereich anbahnt. Es beginnt damit, dass die Müllabfuhr streikt und Studenten demonstrieren. Als es Tote zu beklagen gibt, eskaliert die Krise. Auch das Privatleben des Ministers verläuft nicht in geordneten Bahnen. Die Medien entdecken, dass der Innenminister nicht nur eine Geliebte hat, sondern sich auch ein intimes Verhältnis zu Hanna, einer Journalistin, leistet. Wie Selden bemüht ist, im privaten wie im öffentlichen Bereich, die gestörte Ordnung wieder herzustellen, verfolgt Kumpfmüller in seinem Roman.

Kommunikationsstörungen

Selden ist die zentrale Figur im Buch. Er agiert im Zentrum der Macht und gehört zu denen, die es geschafft haben. Darin unterscheidet er sich von jenen, die auf der Straße protestieren und aufsteigen wollen. In diesem Spannungsfeld zwischen oben und unten spiegelt Kumpfmüller die sozialen Verhältnisse einer modernen Gesellschaft. Hannah ist in diesem hierarchisch geordneten Gefüge die vermittelnde Figur. Sie verfügt sowohl über Kontakte zu den Politikern als auch zu den Demonstranten.

Als schwierig erweist sich die Kommunikation zwischen den Beteiligten, denn sie sprechen verschiedene Sprachen. Selden spricht die Sprache der Politik, die sich von der Sprache der Straße unterscheidet und Hannah beherrscht die Sprache der Medien. Dass diese Gruppierungen über keine gemeinsame Sprache verfügen, durchzieht motivisch den Roman, den Kumpfmüller in drei Teile gegliedert hat. Im ersten Teil baut sich die Krise auf, sie erreicht im zweiten ihren Höhepunkt und ebbt im dritten Teil wieder ab.

Roman aus dem topografischen Nirgendwo

Michael KumpfmüllerBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Michael Kumpfmüller

Michael Kumpfmüller hat mit "Nachricht an alle" einen hochaktuellen Roman geschrieben, der in einem topografischen Nirgendwo spielt. Das von ihm entworfene Bild einer modernen westlichen Gesellschaft, weist die äußeren wie inneren Gefahrenmomente auf, von denen die westlichen Zivilisationen bedroht werden.

Das Buch ist ein Beispiel dafür, dass die jüngste deutsche Literatur wieder politisch wird. Dass Kumpfmüller für die Beschreibung dieses Themas eine überzeugende Sprache gefunden hat, macht seinen Roman zu einem bemerkenswerten Ereignis des Bücherfrühlings 2008.

 

Michael Opitz

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Michael Kumpfmüller: Nachricht an alle
  2. Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2008
  3. ISBN: 3-462-03967-9
  4. Preis (EURO): 19.95


 
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