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Buchtipp

Bernhard Schlink: Der Vorleser

Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit. Der Roman von Bernhard Schlink - stimmgewaltig gelesen von Hans Korte.

Heidelberg 1959. Der 15-jährige Michael Berg beginnt eine Liebesbeziehung mit der zwanzig Jahre älteren Hanna Schmitz. Eine Beziehung, in der Bücher eine zentrale Rolle spielen.

Lies es mir vor! - Na, lies selbst, ich bring's dir mit. - Du hast so eine schöne Stimme, Jungchen. Ich mag dir lieber zuhören als selbst lesen. - Ich weiß nicht .... - Aber als ich am nächsten Tag kam und sie küssen wollte, entzog sie sich. Zuerst mußt du mir vorlesen. Sie meinte es ernst. Ich mußte ihr eine halbe Stunde lang Emilia Galotti vorlesen, ehe sie mich unter die Dusche und ins Bett nahm.

Das Vorlesen, Duschen und Lieben wird ihr tägliches Ritual, doch plötzlich, nach einem halben Jahr ist sie aus der Stadt verschwunden. Jahre später - Berg ist inzwischen Jura-Student- sieht er seine ehemalige Geliebte auf der Anklagebank in einem der Auschwitz-Prozesse wieder. Sie, die sich damals immer geweigert hat, von sich zu erzählen, erfährt er jetzt, war KZ-Aufseherin, und sie ist, wie er im Verlauf des Prozesses herausfindet, Analphabetin.

Holocaust, Scham und Schuld

Um zu verschleiern, dass sie nicht lesen und schreiben konnte, kündigte Hanna damals im Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit und ging als Aufseherin zur SS. Aus dem selben Grund, sie kann schließlich die Anklageschrift nicht lesen, nimmt sie jetzt alle Schuld auf sich und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Michael Berg wird ihr später Kassetten mit Weltliteratur ins Gefängnis schicken, mit deren Hilfe sie nun doch lesen lernt.

Bernhard SchlinkBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Bernhard Schlink Diese Mischung aus Liebesgeschichte, kriminalistischer Entschlüsselung eines Lebens und philosophischer Erörterung von Holocaust, Scham und Schuld, war einer der größten internationalen Erfolge deutscher Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. "Der Vorleser" wurde in 35 Sprachen übersetzt und fand vor allem in England und den USA ein Millionenpublikum.

Großartig vorgelesener "Vorleser"

Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung als Buch kommt nun, man möchte bei diesem Titel fast sagen: endlich, die Hörbuchfassung mit der Stimme des Schauspielers Hans Korte. Und der erweist sich als kongenialer Interpret der Textvorlage. Er geht vollkommen auf in der Geschichte des Michael Berg, so dass man mitunter den Eindruck hat, es handle sich um seine eigene. Er tut dies in einer Intensität, die auch während der philosophischen Exkurse über Schuld und Verstrickung der Nachgeborenen in die Verbrechen des dritten Reiches nicht nachlässt.

Wie sollte es ein Trost sein, dass mein Leiden an meiner Liebe zu Hanna in gewisser Weise das Schicksal meiner Generation, das deutsche Schicksal war, dem ich mich nur schlechter entziehen, das ich nur schlechter überspielen konnte als die andern.

Nachdem Hanna Schmitz im Gefängnis das Lesen gelernt hat, beschäftigt sie sich vor allem mit Büchern über den Nationalsozialismus. Bernhard Schlink legt im "Vorleser“ nahe, das ihr Analphabetismus, ihre Unwissenheit mit verantwortlich sind für die Verbrechen, die sie begangen hat. Eine eigenwillige Deutung der Geschichte, der man folgen mag oder nicht. Aber dennoch kein Grund, sich diesen großartig vorgelesenen "Vorleser“ nicht in den CD-Player zu legen.

 

Matthias Klaus

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Bernhard Schlink: Der Vorleser
  2. Verlag: Diogenes, 2005
  3. ISBN: 3-257-80004-5
  4. Preis (EURO): 24.90


 
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