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Buchtipp

Susa Gülzow: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse

Die wahren Schätze der Kultur finden sich manchmal in den Archiven. Wie dieser Klassiker der deutschen Kinogeschichte, der sein Comeback als packendes Hörspiel feiert.

"Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir müssen leider die Sendung “Aktuelles vom Tage” ausfallen lassen. Wir bekamen soeben die schreckliche Nachricht, dass unser Fernsehreporter Peter Barter auf der Fahrt hierher gestorben ist. Am Steuer seines Wagens. Vermutlich Herzschlag!"

Nein, Kommissar Kress weiß es besser, es handelt sich um Mord. Die Täter waren absolute Profis, das zeigt die Untersuchung des Projektils, mit dem Barter getötet wurde: Eine Stahlnadel, die zu einer neuen Infanteriewaffe gehört. Diese Waffe wurde nur ein Mal gebaut, von der amerikanischen Armee, als Prototyp. Bevor das Gewehr in Serie gehen konnte, wurde das Modell gestohlen. Ein Tatbestand, der ungute Assoziationen weckt.

"Sagen Sie meine Herren: Sagt Ihnen der Name Dr. Mabuse etwas? Ein Genie des Verbrechens! Er wollte die Bevölkerung durch Terrorakte in Angst und Schrecken versetzten, dadurch das Gefüge des Staates zum Einsturz bringen und dann eine phantastische Herrschaft des Verbrechens errichten."

Prototyp des Terroristen

Dr. Mabuse. Erfunden 1918 von dem deutsch-luxemburgischen Schriftsteller Norbert Jacques. Ein Prototyp des Terroristen; ein Superverbrecher, der Schule machte. Und ein Wiedergänger der deutschen Kulturgeschichte, sagt der Literatur- und Filmwissenschaftler Oliver Schablitzki.

"Mabuse ist vor allen Dingen in der Hinsicht ein deutscher Mythos, dass er gerade vor dem Zweiten Weltkrieg auf die Zeit und auch auf das Land, in dem er geboren wurde referiert. Das heißt, er bildet in den ersten Filmen von Fritz Lang ganz stark Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, aber auch das wilde, flirrende Leben in Berlin ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg findet er zwar noch in Deutschland statt, die Verfilmungen wirken aber wesentlich internationaler, es treten internationale Figuren auf, und die Konflikte sind eben auch globaler. Und die Filme an sich auch austauschbarer: Man kann eine gewisse Verwandtschaft sehen zu internationalen Kinoerfolgen wie der James Bond-Serie zum Beispiel."

Medialer Mythos

Szenenbild aus Langs Mabuse-FilmBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Szenenbild aus Langs Mabuse-FilmFür den ungeheuren Erfolg der Mabuse-Sage ist vor allem der Regisseur Fritz Lang verantwortlich. 1960, 40 Jahre nach seinem ersten Mabuse-Film, machte sich Fritz Lang noch einmal ans Werk. Er drehte “Die 1000 Augen des Dr. Mabuse”, den Film, mit dessen Tonspur das aktuelle Hörspiel entstanden ist.

Mabuse war nicht nur ein politischer Mythos, sonder auch ein medialer: immer ein Spieler und Verbrecher, der die Medien genutzt hat und sich über sie auch dargestellt hat. “Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" zeigt dies, indem Mabuse nie persönlich auftritt und seine Stimme immer nur vom Band kommt. Und zum zweiten spielt er mit dieser Idee des Mediums, indem er Fernseher einsetzt und die Macht des Fernsehens abbildet als Beobachtungs- und Beschattungsinstrumentarium.

Immerwährende Aktualität

Die hervorragend gemachte CD “Die 1000 Augen des Dr. Mabuse” ist ein Zeugnis all dessen. Eine Geschichte von immerwährender Aktualität, gerade wenn man an die Aktivitäten von Osama bin Laden und seinen Gefolgsleuten denkt. Andererseits aber auch eine Geschichte, die von den Ängsten einer vergangenen Zeit berichtet. Das treibt einem beim Hören zwar mitunter eher ein nostalgisches Lächeln ins Gesicht. Gute Unterhaltung bietet dieses Hörbuch allemal.

 

Ulrich Noller

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Das Buch Kompakt
  1. Susa Gülzow: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse
  2. Verlag: Eichborn, 2005
  3. ISBN: 3-8218-5381-6
  4. Preis (EURO): 16.95


 
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