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Buchtipp

Bernhard Schlink: Heimat als Utopie

Was ist Heimat? Der Ort, an dem man geboren ist oder in dem man lebt? Dort, wo man Familie hat und Freunde? Jeder von uns hat einen oder mehrere dieser Orte, und wenn man einen verliert, kann man an seiner Stelle einen anderen suchen. Schlink führt verschiedene Beispiele der Heimat an.

Was ist Heimat? Der Ort, an dem man geboren ist oder in dem man lebt? Dort, wo man Familie hat und Freunde? Jeder von uns hat einen oder mehrere dieser Orte, und wenn man einen verliert, kann man an seiner Stelle einen anderen suchen: einen neuen Wohnort, neue Freunde, eine neue Familie. Auch das Exil ist ein Ort, an dem gewohnt wird, mit Familie und Freunden. Einige fühlen sich im Exil allein und verlassen.

Die anderen finden in der Fremde Zuflucht, Ruhe und Geborgenheit: die neue Heimat. Entscheidend ist weniger, WO der Ort ist, als vielmehr: DASS man einen solchen Ort hat. Einen Ort, an dem man einer Gemeinschaft zugehört, in ihr anerkannt ist und sich mit ihr durch Geburt oder Wohnung, Familie oder Freunde verbunden fühlt.

Für Bernhard Schlink ist der Begriff der Heimat nur aus der Distanz zu begreifen, das heißt, erst dann, wenn die Heimat fehlt. Ein treffender Vergleich: So wie Atemluft erst in Atemnot geschätzt wird und der Stand und Halt der Erde erst beim Erdbeben oder im Flugzeug. Der Geburtsort steht für die Kindheit, der Wohnort wird Heimat, wenn man anderswo ist, auf Geschäftsreise oder im Urlaub. Was man an der Familie hat, weiß man, wenn man von ihr getrennt ist, und was man an den Freunden hat, weiß man, wenn man sie vermisst.

Heimat als Utopie

Schlink führt verschiedene Beispiele der Heimat an. Er glaubt, dass für viele Menschen ihre Heimat der eigene Beruf sei. Die Schauspielerin sehnt sich nach Theater. Ihre Heimat ist die Bühne. Der Tontechniker liebt die elektronische Stille seines Tonstudios und fühlt sich dort zu Hause.

Immer wieder ist Heimat ein Geruch, der an etwas und jemanden erinnert. Der in der verlassenen Türkei gerochene "Duft von Zimt, Ingwer und Pfeffer" oder der vertraute "Geruch von trockenem Straßenstaub ... nach einem Sommergewitter, wenn die Amseln zwitschern". Immer wieder ist Heimat die Erinnerung an die unwiederbringliche Kindheit oder an andere Lebensabschnitte unwiederbringlichen Glücks.

So plastisch und genau Schlinks Ausführungen über die Heimat auch sind: Auf den ersten Blick scheint alles bekannt. Man erkennt beim Lesen seine eigenen Empfindungen. Jeder war schon mal verreist, jeder dachte schon mal sehnsüchtig an seine Kindheit zurück. Doch eines ist bei Schlink neu: die Tatsache, dass Heimat ein Nichtort ist. Eine Utopie. Für immer.

Hilfreiche Reflexion

Das beste Beispiel für den Autor sind Deutsche aus den neuen Bundesländern. Manche fühlen sich im Exil, obwohl sie leben, wo sie immer schon lebten, wohnen, wo sie immer schon wohnten, und vielleicht sogar in derselben Fabrik, Behörde, Schule oder Zeitung arbeiten, in der sie schon vor der Wende arbeiteten. Trotzdem hat sich für diese Menschen alles verändert, ist ihnen fremd geworden.

Und zwar ohne ihr Zutun und oft gegen ihren Willen. Deshalb fühlen sich auch viele Ostdeutsche wie im Exil - in der Fremde, in der man nach Gesetzen leben muss, die man selbst nicht gemacht hat. Es entstand ein neues Deutschland für die nicht neuen Deutschen. Die alte Heimat ist eine Utopie geworden.

Doch nicht nur die Ostdeutschen leiden unter Heimatverlust. Jeder begibt sich auf die Heimatsuche, wenn er sich von anderen gekränkt, missachtet oder unverstanden fühlt. Die Reflexion darüber könnte helfen, die Heimatlosigkeit zu verarbeiten. Vielleicht mit Hilfe von Schlinks Lektüre.

 

Juri Rescheto

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Weitere Schlagzeilen

Das Buch Kompakt
  1. Bernhard Schlink: Heimat als Utopie
  2. Verlag: Suhrkamp, 2000
  3. ISBN: 3518066137
  4. Preis (EURO): 5.00


 
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